Ludwig Bechstein

Die 12 Gerichteten

Zu den Zeiten, als Bischof Iring von Rheinstein auf dem Bischofssitze zu Würzburg thronte, saßen auf dem Schloße Altenstein dreizehn Ritter, Brüder des alten Geschlechtes, die, von kriegerischer Art, das bischöfliche Gebiet und dessen Insassen nicht immer in Ruhe ließen. Der Bischof, auch ein kriegslustiger Mann und heldenmüthig, sammelte seine Streitkräfte und zog vor den Altenstein. Hier sah er bald genug, daß die feste, schier/ unüberwindliche Burg ihm lange genug Trotz bieten würde, denn die zwölf Ritter, (der dreizehnte Bruder, Seifried, Johanniterritter, war im Fremdland) wehrten sich mannlich und schlugen jeglichen Angriff ab. Da griff der Bischof zum unrühmlichen Mittel schnöder List, denn er wollte um jeden Preis die Ritter bändigen und demüthigen; daher bot er den zwölf Brüdern friedlichen Vergleich an, und diese gewährten seinen Wunsch, öffneten dem Feind mit einigen seiner Mannen die sichere Felsenfeste und bewirtheten ihn köstlich. Nach der Mahlzeit ging der Bischof in sein Gemach und heischte da mit den Brüdern zu reden und gütlichen Vertrages zu pflegen; doch mit jedem besonders. Sowie nun einer der Ritter von Stein eintrat in das Zimmer des Bischofs, ward er durch einen unversehenen Schwertstreich meuchlings gefällt. So waren eilf Brüder gefallen, als den letzten und mannlichsten der Ritter eine schwere Ahnung erfaßte; bewaffnet trat er ein, sah den fürchterlichen Bischof triumphirend über den Leichnamen der Gemordeten stehen und drang mit seinem Waidmesser auf den Bischof ein; da packten ihn aber schon die Mordgesellen, und er behielt nur noch Kraft, das Waidmesser nach dem Bischof mit einem Fluche zu schleudern; doch traf es nicht des Mörders Hals oder Herz, sondern nur seine Nase, die davon um ein Kleines kürzer wurde. Dann sank auch der tapfere Herdegen in sein Blut. Im Kloster Langheim wurden die zwölf Ritter beerdigt, andre sagen, nur die Häupter. Noch zeigt man in den Burgruinen das Gemach, darin die schauderhafte Unthat verübt worden. Der Platz, wo sie geschehen, wird Untereichelboden genannt.

Seifried von Altenstein kehrte aus der Fremde zurück,/ entbot dem Stift Fehde, und ruhte nicht, bis er in das Erbe seiner ermordeten Brüder wieder eingesetzt war; er war es, von dem die spätern Altensteiner ihre Abkunft herleiten. Man sagt, Seifried habe eine Zeit lang sich unerkannt gehalten, und habe als Maurer gearbeitet, und davon sollen auch die drei Hämmer im Wappen herrühren.