Ludwig Bechstein
Die Hohewart und Frau Welle
[…] Auf der Hohewart stand ein alter Thurm, darin soll eine weiße Frau gewohnt haben, welche "Frau Welle" hieß, ein Name, aus welchem sich ganz so schön Veleda dichten läßt, wie aus Chatten Hessen. Nach ihr soll ein nahes Thal auch noch das Valleidathal heißen, sie selbst aber sei eine Rune gewesen, bei der sich die Umwohner Rathes erholt, und nun wandere sie noch, weißgekleidet, mit breitem Gürtel aufgeschürzt, und mit langem, bis zu den Fersen abwallendem Haare. Sie schützte die Waldmännchen und Holzweibel – gehört demnach in den Perchthasagenkreis – wunderlich ist's, daß eine halbverklungene Sage die "Frau Welle" auch als "fahle Kuh" erscheinen und wandern läßt. Auch im nahen Grunde des Wynitzbaches geht an einem Felsenberge, der die Trudenkuppe heißt, eine genugsam be/zeichnende mythische Benennung, eine weiße Frau mit flatterndem Haare um, die ein blankgeschliffenes Opfermesser in der Hand trägt.